Wahlen zu Aufsichtsrat: Katerstimmung bei SAP

Der SAP-Betriebsratsvorsitzende hat unerwartet den Sprung in den Aufsichtsrat verpasst. Seine Wahlmänner entschieden sich im letzten Moment um. Nun denkt er über einen Rückzug nach.

Noch Tage nach der verlorenen Aufsichtsratswahl steht der SAP-Betriebsratsvorsitzende Stefan Kohl unter Schock: „Das ist unfassbar, aber nicht zu ändern“, schrieb er am Montag in einer Stellungnahme.

Seine Wahlmänner hatten bei der Wahl am vergangenen Mittwoch ihr Versprechen nicht eingehalten. „Einigen sind nach der Auszählung die Gesichtszüge entgleist“, so ein Beteiligter. Nach den Vorwahlen hatte Kohls Liste noch 72 Delegiertenstimmen auf sich vereinen können. Bei der Wahl blieben nur noch 48 übrig. Der erste Mann auf Kohls Liste, Stefan Schulz, zog in den Aufsichtsrat ein, der Betriebsratschef selbst blieb draußen. Gewinner sind Panagiotis Bissiritsas und Kohls Betriebratskollegin Christiane Kuntz-Mayr, die wieder in das Kontrollgremium gewählt wurden.

Nun denkt Kohl offenbar über seinen Rückzug nach: „Ich selbst werde das Ergebnis erst mal sacken lassen. Danach werde ich gemeinsam mit meiner Familie entscheiden, wie ich mit der eingetretenen Situation umgehen werde“, schrieb er.
Das wäre ein Schlag für das Unternehmen, denn der seit 2008 amtierende Betriebsratsvorsitzende ist gut verdrahtet und kommt gut mit Finanzvorstand Werner Brandt aus. Im Betriebsratslager brodelt es. Von „Königsmord“ ist die Rede und davon, dass die Wahl angefochten werden könnte. Kohl sei einigen zu mächtig geworden, heißt es. Er habe Chancen auf den Posten des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden gehabt.
Dass die Wahl angefochten wird, ist hingegen unwahrscheinlich. Das komme extrem selten vor, sagt Marie Seyboth, Justiziarin beim Deutschen Gewerkschaftsbund. „Es genügt nicht der Verstoß gegen das Wahlverfahren, es muss auch das Wahlergebnis beeinflusst haben“, so Seyboth.
Unwahrscheinlich ist auch, dass die DGB-Gewerkschaften Verdi und IG Metall die Wahl rückgängig machen wollen. Vor der Wahl hatten sie die Teilnahme von kleineren Gewerkschaften wie der Vereinigung der Rundfunk-, Film- und Fernsehschaffenden infrage gestellt. Doch mit Mario Rosa-Bian zog ihr Vertreter in den Aufsichtsrat ein.
Die Amtszeit des aktuellen Aufsichtsrats endet bei der Hauptversammlung am 23. Mai. Für die Kapitalseite gibt BMW-Aufsichtsratschef Joachim Milberg seinen Posten auf, an seiner Stelle tritt Anja Feldmann, Professorin an der TU Berlin, an.

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