Frauenquote in Aufsichtsräten — Resultat einer Fehlinterpretation?

 INARA hat hierzu eine interessante Pressemitteilung veröffentlicht

Anbei die heutige INARA-Presseaussendung:

„Die Diskussion über eine Frauenquote in Aufsichtsräten läuft falsch. Dabei wird nämlich außer Acht gelassen, dass es für Kapitalgesellschaften zwei völlig unterschiedliche Systeme gibt“, betont Viktoria Kickinger, Präsidentin der heimischen Aufsichtsratsplattform INARA. Laut Medienberichten plant die EU beim Thema Aufsichtsräte jetzt einen neuen Anlauf: Bis zum Jahr 2020 sollen laut einem Richtlinienentwurf von EU-Justiz-Kommissarin Viviane Reding  in börsenotierten Unternehmen 40 Prozent der Mandate mit Frauen besetzt werden. Bei Verstößen soll es auch Sanktionen geben. Ob Reding, die schon länger auf eine verbindliche Quote drängt, damit durchkommt, ist freilich fraglich. Immerhin sind zehn von 27 EU-Staaten, die zusammen eine Sperrminorität haben, dagegen.

Kickinger verweist darauf, dass sich die EU bei allen Regulierungsfragen bisher nahezu ausschließlich auf das eingliedrige Verwaltungsratssystem bezieht. Dieses wird auch als one-tier-System bezeichnet wird und gilt im angelsächsischen Bereich, aber auch in der Schweiz. Der Verwaltungsrat (Board) einer Gesellschaft besteht aus operativen und nicht operativen Mitgliedern, es gibt also einen Vorstand mit Aufsichtsratsfunktion. Das duale System, d. h. das Zusammenwirken eines operativer Vorstands und eines nicht-operativen Aufsichtsrates, wurde von der EU bisher nahezu völlig negiert. Der Aufsichtsrat, wie wir ihn kennen, kommt in den EU-Papieren nicht oder bestenfalls als Fußnote vor. Es gibt allerdings Signale aus Brüssel, dass künftig auch das zweigliedrige System berücksichtigt werden soll. INARA, die Interessenvertretung der österreichischen Aufsichtsräte, sowie der neue europäische Dachverband für Aufsichtsräte INAR/EU, dessen erste Präsidentin Kickinger ist, fordern seit längerem eine Gleichbehandlung beider Systeme. Immerhin ist das bisher von der EU stiefmütterlich behandelte duale System in Deutschland, also der größten Volkswirtschaft der Union, weiters in Polen, in Österreich und auch in einigen Beitrittsländern – z.B. Kroatien – etabliert.

„EU-Kommissarin Reding spricht vom Board, hat also die Verwaltungsräte im Kopf und möchte mehr Frauen in operativen Führungsfunktionen“, betont Kickinger. Das könne man nur voll und ganz unterstützen. Wer das Problem falsch interpretiert und eine Frauenquote für Aufsichtsräte verlangt, zäumt das Pferd verkehrt herum auf und betreibt lediglich politischen Aktionismus, ist die INARA-Chefin überzeugt:  „Das ist genauso unsinnig, wie nach mehr Primarärztinnen zu rufen, wenn es keine Oberärztinnen gibt. In unserem dualen System geht es darum, mit aller Kraft für mehr Frauen in den Vorstände und anderen operativen Führungsfunktionen zu kämpfen.“

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