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Pseudo Agilität

Intro

Die Tage fiel mir ein Tweet von Christian Müller (wer auf Twitter ist: #FF!) auf. Auf Twitter zu diskutieren, ist manchmal schwierig, daher meine „Antwort“ hier. Auslöser:

Bereichsleiter führt „Agilität ein“: – die Teamleiter übernehmen zusätzlich die Funktion eines Product Owners – Dailies finden einmal pro Woche statt – Scrum Master wird mit 25% Zeit eingeplant – Aufgaben verteilen die Teamleiter Wie würdest Du damit umgehen?

Provokativ – aber wie sieht es aus?

Pseudo Agile?

Die Erfahrungen, die Christian Müller hier kurz zusammenfasst, trifft man in der Realität häufig wieder. Gerade in großen Konzernstrukturen wird versucht, Agilität unter altbackenen Releasezyklen zu packen. Das stellt ja einen Widerspruch wieder. Einige Konzerne experimentieren auch mit „Hubs“ und ähnlichem.

Agilität ist nicht damit getan, dass man eine Tischtennisplatte etabliert und sich hin- und wieder zusammenrottet unter dem Deckmäntelchen eines „Dailies“.

Aber wie etabliert man in einer großen Unternehmenskultur neue Ideen und Vorgehensweisen? Der pragmatische Ansatz des „Irgendwie“ endet dann genau in den oben zitierten Regelungen. Man ist ja agil. Irgendwie.

Oftmals sind diese Vorgehensweisen nicht dem Umstand geschuldet, dass der Einführende dumm wäre oder agile Vorgehensweisen nicht verstanden hätte. Es sind vielmehr Handlungen aus Notwehr (einige Ausnahmen mögen existieren). Der Versuch, neue Ideen zu etablieren, ohne alte Strukturen oder etablierte Mechanismen zu beschädigen.

Aber woran liegt es? Eine Transformation kann nur gelingen, wenn eine Vertrauenskultur aufgebaut wird. Und dass muss aus dem Senior Management gelebt werden. Neue Techniken (sei es Scrum oder was anderes) können nur funktionieren, wenn eine Vertrauenskultur existiert. Und diese kann nicht gedeihen, wenn das Top Management erwartet, dass jeder Abteilungsleiter in jeder Sekunde zu jedem Detail auskunftsfähig ist. Oft sind es diese Erwartungshaltungen, die das Micromanagement etabliert haben.

Aber sind die Pseudo Agilen Usmetzungsversuche wirklich nur schlecht? Die Evangelisten werden sagen: Dann kann man es auch lassen. Ich denke jedoch, dass eine Kulturrevolution nur allmählich gelingen kann. Und dazu gehören auch Fehler wie missverstandene Agilität. Sie bieten aber auch die Möglichkeit des Türöffners.

Also: Machen! Mitmachen, besser werden!

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Was bringen „Innovation Hubs“

Intro

Mittlerweile sind „Innovation Hubs“ bei großen Konzernen in Mode gekommen: Ob (zum Beispiel bei den Banken und Sparkassen) die Deutsche Bank mit ihren „Deutsche Bank Innovation Labs„, Siemens mit dem iHub oder die Postbank mit dem „Ideenlabor„. Fast jedes weitere DAX Unternehmen reiht sich hier mit einer Abteilung / Dependance oder Ausgründung ein.

Was bringen Innovation Hubs?

Die Einrichtungen sehen zumindest optisch ähnlich aus: Junge Leute, kein Kleidungszwang, Tischkicker oder auch Tischtennisplatten sind in der Bürolandschaft integriert. Zielsetzung ist auch immer ähnlich: Neue Perspektiven in der Produktlandschaft entwickeln, losgelöst von bürokratischen Zwängen oder allgemein von der Organisationsstrukturen, die die Hubs alimentieren. Ich habe mal ein paar Argumente aufgeführt.

Pro

  • Durch die Loslösung organisatorischen Zwängen werden auch eher unrealistische Szenarios beleuchtet, es können ganz neue Ideen entstehen.
  • Die Mitarbeiter dort arbeiten angstfrei: Wer mit einer guten Idee in einer alten Hierarchie gegen die Wand gelaufen ist, mag sich zu Neuem kaum noch äußern.
  • Stichwort angstfrei: Die Hubs arbeiten unter den gleichen Arbeitsrahmenbedingungen, wie der Mutterkonzern. Die soziale Absicherung hilft den Mitarbeitern, sich zu entfalten.

Contra

  • Alte Mitarbeiter nehmen die Arbeitsergebnisse nicht ernst
  • Die Überführung der Ideen ist in die alte Welt schlecht bis gar nicht integrierbar und der Support führt nicht zu einer Überführung

…und?

Es sprechen also einige Ideen für und gegen solche Hubs. Sollte man Sie etablieren? Einige Ergebnisse wären durchaus auch ohne solche Ausgründungen möglich. Dazu müsste aber wesentlich mehr Eigenverantwortung an die Mitarbeiter übertragen und Ängste, Fehler zu machen, abgebaut werden. Hierzu muss aber eine neue Managementphilosophie her, weg vom Micromanagement hin zu mehr Vertrauen. Wenn das möglich sein sollte, würde sich die Ausgründung der Hubs erledigen.

Der  Erfolg eines Hubs liegt langfristig darin, dass die Ergebnisse aus dem „Proof of Concept“ Stadium hinauswachsen und auch in die reale Welt der Organisation überführt werden. Dazu muss die Unterstützung nicht nur in der Gründung des Hub liegen, sondern auch darüber hinaus in die Verzahnung von Hub und alter Welt.

Was denken Sie?

Eisberg Digitalisierung

Bringt Digitalisierung einen Mehrwert?

Der Ausgang

Heute stolperte ich über einen Tweet von Christian Müller den ich sehr spannend fand:

Wertschöpfung Tweet

Bringt Digitalisierung einen Mehrwert?

Ich kann die Gedanken im ersten Step durchaus nachvollziehen: Die bisher größten „Gewinner“ der Digitalisierung sind beispielsweise AirBnB oder Uber. Allerdings haben genau solche Unternehmen bestehende Geschäftsprozesse genommen und mit durchaus pfiffigen Anwendungen einen Mehrwert für den Kunden generiert. Der Prozess an sich ist derselbe, jedoch partizipieren genau diese neuen Marktteilnehmer und greifen Marge ab.

Diese Erfolgsstories sind meines Erachtens jedoch nur die Spitze des Eisbergs und symbolisieren nicht die eigentlichen Umwälzungen, die mit der Digitalisierung einhergehen:

Eisberg DigitalisierungMit der Digitalisierung gehen einige neue Techniken einher, die nicht nur den Endkunden betreffen, sondern auch in Produktion eingehen. Einige Beispiele:

  • IoT: Internet of Things: Hier geht es um die Vernetzung von allen möglichen Dingen. Hierzu gehören nicht nur Alltagsgegnstände, sondern auch Maschinen oder auch Regale. Die Logistik lässt sich damit erheblich optimieren. In der Produktion lässt sich die Wartung verbessern.
  • Big Data und KI: Vernetzt mit dem Punkt davor lassen sich zum einen viele Daten sammeln, aber auch analysieren. Techniken wie neurologische Netze helfen dabei, die Daten aufzubereiten und Erkenntnisse daraus ziehen.
  • 3D Printing: Auch im Kontext der Digitalisierung ist das 3D Drucken zu nennen. Noch hat es vielfach den Charme einer Spielerei für Nerds. Jedoch entwickelt sich die Technik rasant. Hier sind viele Einsatzbereiche in der Produktion denkbar, bis hin zu „Just in Time Printing„, also die zeitgenaue Produktion von Bauteilen. Diese Technik hat so viel Potenzial, so dass Produktion wieder verstärkt auch in hochpreisigen Lohnstandorten wie Deutschland attraktiver werden könnte.

Was sich in dem Tweet widerspiegelt, ist die Wahrnehmung. Die bekanntesten Unternehmen stellen nichts her, sondern nutzen nur bekannte Geschäftsprozesse. Jedoch sind diese bekanntesten Beispiele nicht stellvertretend dafür, was die Digitalisierung für Unternehmen bedeutet. Auch in der Produktion bieten sich vielfältige Möglichkeiten, die nicht immer so bekannt sind.

Es ist jedem Unternehmen dringend empfohlen, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen: Also nicht nur Apps, sondern: Wo können wir neue Technologien einsetzen und wie