Multiaufsichtsrat Wenning kritisiert deutsche Corporate Governance

 

Multiaufsichtsrat Werner Wenning hält die deutsche Unternehmenskontrolle für überreglementiert. Im Gespräch mit dem „Manager Magazin“ erklärte der 65-Jährige, er möchte bei seiner Aufsichtsratsarbeit „die größtmögliche Flexibilität“. „Ich laufe nicht mit dem Aktiengesetz oder Corporate-Governance-Kodex unter dem Arm herum“, so Wenning.

Der ehemalige Bayer-Chef sitzt ab Oktober an der Aufsichtsratsspitze des Chemie- und Pharmakonzerns. Zudem kontrolliert er die Dax-Unternehmen Eon, Deutsche Bank, Henkel sowie den Versicherer HDI/Talanx und die Freudenberg-Gruppe. Massiv kritisiert Wenning die sogenannte Cooling-off-Klausel. Danach müssen Ex-Vorstände zwei Jahre warten, bis sie in den Aufsichtsrat des Unternehmens rücken dürfen. Diese Regelung sei „ein klassischer Fall von Überregulierung“, so Wenning. Man solle „über eine Korrektur nachdenken“.

Auf die Frage, ob die deutsche Wirtschaft eine gesetzliche Frauenquote brauche, sagte Wenning: „Klare Antwort: Nein.“ Aus seiner Sicht liege es schon allein aufgrund der demografischen Entwicklung im Eigeninteresse jedes Unternehmens, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. „Wir sind ja selbst daran interessiert, den Pool von Frauen weiter zu vergrößern“, so Wenning. Aber diese Breite an Kandidatinnen müsse sich in einem Unternehmen erst entwickeln, und das dauere seine Zeit. Bayer habe sich verpflichtet, bis 2015 den Frauenanteil in Führungspositionen „in Richtung 30 Prozent“ zu steigern: „Mehr“, so Wenning, „lässt sich intern gar nicht realisieren.“

Quelle: dts Nachrichtenagentur

 

Corporate Governance „Vorstandsgehälter bergen Sprengstoff“

Frankfurt/M. – Der Deutsche Corporate-Governance-Kodex gibt seit zehn Jahren den Rahmen für verantwortungsvolle Unternehmensführung vor. Der geistige Vater der Regeln, der Frankfurter Wirtschaftsrechtler Theodor Baums, will die Transparenzvorschriften erweitern.

In einem ausführlichen Interview diskutiert Baums über gute Unternehmensführung und die Notwendigkeit Gehälter und Pensionsansprüche von Vorständen und Aufsichtsräten zu veröffentlichen.

Das Interview ist abrufbar unter http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.corporate-governance-vorstandsgehaelter-bergen-sprengstoff-page1.48dcd7b9-6a46-4d00-8719-29a13ae029ca.html

Zur Person

Theodor Baums, 65, hat eine Professur für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht in Frankfurt. Neben Jura hat er katholische Theologie studiert. Er ist Mitglied der Regierungskommission Corporate Governance, des Bafin-Fachbeirats und des Beirates der EU-Kommission für Corporate Governance.

Seit 2002 gibt es den Deutschen Corporate-Governance-Kodex, ein Regelwerk für gute Unternehmensführung. Jede börsennotierte AG muss angeben, ob sie sich daran hält.

Corporate and Good Governance im deutschen Mittelstand

In Deutschland gilt seit 2002 der Corporate Governance Kodex, der dazu beitragen soll, das Vertrauen insbesondere internationaler Investoren in die Führung deutscher Unternehmen nachhaltig zu stärken.

Lange Zeit war Corporate Governance vor allem mit der Unternehmensführung und der Informationspolitik börsennotierter Großunternehmen in Verbindung gebracht worden. Angesichts der weiterhin zunehmenden Globalisierung müssen sich in der Zwischenzeit jedoch auch vermehrt die exportstarken deutschen Unternehmen des Mittelstandes mit Fragen zur Corporate Governance auseinandersetzen.

Der aktuelle Fachbeitrag über Corporate Governance stammt von Jürgen Kohler, Vorstandsmitglied der Unternehmens- und Managementberatung Tefen AG sowie dem Tefen-Consultant Markus Deimel.

Den Beitrag finden Sie unter „Corporate and Good Governance im deutschen Mittelstand“ 

Gehaltsgrenzen für Vorstände sollen halten

Klaus-Peter Müller moniert flexible Vergütungs-Caps

swa Frankfurt – Obergrenzen für Vorstandsgehälter sollen nicht nach Gutdünken ein- und ausgeschaltet werden. Dies fordert der Vorsitzende der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, Klaus-Peter Müller, im Interview der Börsen-Zeitung. Die Möglichkeit, den Cap beliebig zu öffnen, bedeute, dass er gar nicht vereinbart sei, moniert Müller. Zwar könne die Gehaltsobergrenze in bestimmten Situationen nicht ausreichen, doch für solche Fälle will der Manager von vornherein einen gewissen Prozentsatz für die Höhe des Überschreitens festgelegt wissen. Die Debatte über exzessive Vorstandsgehälter war zuletzt vom 17-Mill.-Euro-Salär des VW-Vorstandschefs Martin Winterkorn erneut angefacht worden – auch der Automobilkonzern hat wie im Kodex empfohlen eine Obergrenze eingezogen. Die Kodex-Kommission hatte bereits angekündigt, dass sie das Thema Vergütung nochmal diskutieren will, was jedoch nicht zwangsläufig zu einer Anpassung im Regelwerk führen müsse, sagte Müller.

Mit Blick auf einen höheren Frauenanteil in Aufsichtsräten appellierte er an die Kontrollgremien, sich frühzeitig mit der Nominierung zu befassen und rechtzeitig ein Signal in die Öffentlichkeit zu geben, um sichtbar zu machen, dass sich etwas bewege. In den Jahren 2013 und 2014 stehen in einigen großen Konzernen Aufsichtsratswahlen an.

Quelle: Börsen-Zeitung

Corporate Governance Report 2012: Kodexregime und Kodexinhalt im Urteil der Praxis

Prof. Dr. Axel v. Werder und Dipl.-Kffr. Jenny Bartz vom Berlin Center of Corporate Governance der TU Berlin untersuchen in ihrer Studie „Corporate Governance Report 2012: Kodexregime und Kodexinhalt im Urteil der Praxis“ die Akzeptanz des Corporate Governance Kodex in der Wirtschaft.

Nach einer kurzen Einführung in die Konzeption der Studie (Abschn. II.) und die Auswertungsmethodik (Abschn. III. 1.) werden zunächst die Befunde zur grundsa¨tzlichen Zustimmung zum Kodexregime erörtert (Abschn. III. 2.). Im Anschluss hieran finden sich die Präsentation und Analyse der Erhebungsergebnisse zu den Einschätzungen der Zweckmäßigkeit (Abschn. III. 3.). Die Befunde zum Kodexregime und zum Kodexinhalt werden sodann zusammengeführt (Abschn. III. 4.), um die Gesamtbeurteilung des Kodex durch die Befragungsteilnehmer („Kodexklima“) zu ermitteln. Eine zusammenfassende Wertung der Untersuchungsresultate (Abschn. IV.) schließt den Beitrag ab.

Der Corporate Governance Report 2012 erschienen in: Der Betrieb, 2012, Nr. 16, S. 869-878 und ist abrufbar unter http://www.bccg.tu-berlin.de/main/publikationen/Corporate_Governance_Report_2012.pdf

Die dazugehörige Präsentation finden Sie unter http://www.bccg.tu-berlin.de/main/publikationen/Praesentation_Corporate_Governance%20Report_2012.pdf

Kommission ist kein moralischer Schiedsrichter

IM INTERVIEW: KLAUS-PETER MÜLLER: „Kommission ist kein moralischer Schiedsrichter“
Der Vorsitzende der Regierungskommission Corporate Governance Kodex über Aufsichtsratswahlen, Frauenquote und Gehälter.
Den vollständigen Artikel der Börsen-Zeitung finden Sie unter

Börsen Zeitung (06/2012): Interview mit Klaus Peter Mueller

Bundestag-Opposition will Offenlegung der Gehälter bei Unternehmen mit Bundesbeteiligung

Berlin (hib/HLE): Die Bundesregierung soll auf alle Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligung des Bundes einwirken, damit sie den „Public Kodex“ verankern. Die Umsetzung solle bis Ende 2012 erfolgen, fordert die Opposition in einem Antrag (17/9984). „Im „Public Corporate Governance Kodex“ (Public Kodex), der für Unternehmen mit staatlicher Beteiligung gilt, ist die individuelle Offenlegung der Gehälter der Geschäftsführung, Vorstände und Aufsichtsräte als Empfehlung enthalten“, erläutert die Fraktion. Die Zahl der Unternehmen, die die Bezüge der Vorstände und Aufsichtsräte tatsächlich individuell veröffentliche, zeige, dass diese freiwillige Empfehlung zu kurz greife. Als Anteilseigner könne der Bund maßgeblich darauf hinwirken, ob und wie der Kodex umgesetzt werde. „Nur so kann die Unternehmensführung und –überwachung ehrlich, konsequent und transparent gestaltet werden“, heißt es in dem Antrag.

Quelle: Bundestag, Pressemitteilung Wirtschaft und Technologie/Antrag 17/9984

Gute Corporate Governance-Nachrichten fördern verstärkt das positive Medienimage von Unternehmen

Berlin/Frankfurt – Die Berichterstattung zu Corporate Governance-Themen hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Zehn Jahre nach Einführung des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) nehmen Berichte über „Gute Unternehmensführung“ 12 Prozent (2002: 5 Prozent) der täglichen Unternehmensberichterstattung in den führenden deutschen und ausgesuchten europäischen Medien ein.

„Die Zahlen zeigen deutlich, dass das Thema ‚Gute Unternehmensführung‘ an Relevanz für die Medien gewonnen hat. Alleine gegenüber dem Vorjahr hat die Berichterstattung um 3 Prozent zugenommen. Dieser Trend wird anhalten“, ist Dr. Gero Kalt, Vorstand der Prime Research International AG & Co. KG, überzeugt. Prime Research hat in Zusammenarbeit mit der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex die Berichterstattung zu Corporate Governance-Themen in den rund 60 relevanten deutschen und europäischen Medien analysiert (Prime Research Medienstudie zur 11. Corporate Governance-Konferenz). Dabei wurde der Fokus bei den beobachteten Unternehmen auf den DAX30 gelegt.

Insgesamt lässt sich laut Prime Research ein Trend zu einer positiveren Wahrnehmung der Corporate Governance in deutschen Unternehmen feststellen, wenngleich dieser immer wieder durch negative Unternehmensmeldungen abgeschwächt wird. Anlass für kritische Berichterstattung bietet vor allem regelmäßig das Thema Vorstandsvergütung. Eine Chance zur positiven Profilierung sieht das Medienresonanzunternehmen dagegen bei Diversity-Themen.

Unternehmen wie Lufthansa, Henkel, Deutsche Post, Deutsche Telekom und BMW führen so die Rangliste der DAX30-Mitglieder an, die von den Medien in Bezug auf Diversity in der Berichterstattung am positivsten wahrgenommen werden. Insgesamt kommt Prime Research zu dem Schluss, dass gute Corporate Governance-Nachrichten vermehrt das positive Medienimage von Unternehmen fördern. Eine Vielzahl von DAX30-Unternehmen konnte so beispielsweise durch einen höheren Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten oder eine gesteigerte Transparenz bei Managergehältern eine positive Resonanz in der medienöffentlichen Wahrnehmung erzielen, was sich insgesamt positiv auf das Image ausgewirkt hat.

Quelle: http://www.compliancemagazin.de/corporategovernance/governancekodex/dcgk210612.html

Hans-Jürgen Beerfeltz: „In­ter­na­ti­o­nale Unter­neh­men sind Vor­bil­der für Good Cor­porate Gov­ernance“

Berlin / Leipzig. Der Staats­sekre­tär im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­liche Zusam­men­arbeit und Ent­wick­lung (BMZ), Hans-Jürgen Beerfeltz, hat in seiner heutigen Er­öff­nungs­rede zur Kon­fe­renz „Key Cor­porate Gov­ernance Issues in Emerg­ing Mar­kets – Theory and Prac­tical Execution“ an der Han­dels­hoch­schule Leipzig (HHL) die Vorbildfunktion internationaler Unternehmen herausgestellt. Vor rund 100 in­ter­na­ti­o­nalen Teil­neh­mern aus Wissen­schaft, Ent­wick­lungs­orga­ni­sa­tionen, Unter­neh­men und In­ves­toren machte der Beerfeltz deut­lich, dass Corporate Governance ein wich­tiger Bau­stein hin auf dem Weg zu nach­haltiger Ent­wick­lung sei.

„Gera­de in­ter­na­ti­o­nale Unter­neh­men prägen in Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern die ent­ste­hende Corporate Governance-Kultur. Sie sind mit ihren Standards beim Umgang mit Mit­ar­bei­tern und Stake­holdern, bei Trans­pa­renz sowie Anti­kor­rup­tion Vor­bil­der. Dieser Vorbild­funktion müssen sie ver­ant­wor­tungs­voll ge­recht werden“, erläuterte der Staats­sekre­tär.

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