Europa und Arbeit im Aufsichtsrat

Intro

EuropaflaggeZur Zeit liest man viele Artikel nach dem Schock des Brexit. Viele haben den gleichen Tenor: Was passiert nun? Wie geht es weiter? Einmalige Angelegenheit oder Startschuss zum Zerbrechen der EU? Im Aufsichtsrat sollte man sich jetzt ein Bild über die Lage des Unternehmens machen.

Jetzt ist die Zeit für den Aufsichtsrat

Im Moment findet sich die europäische Wirtschaft im Umbruch. Jedes Unternehmen kann betroffen sein durch direkten oder direkten Impact: Sei es, dass sich die Abnehmer- oder Lieferantenstruktur ändert, sei es durch sich ändernde Währungsrisiken, aber auch durch Veränderungen in der Struktur der Mitbewerber.

Daher sollte sich ein Aufsichtsrat davon überzeugen, wie sich der Vorstand mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Hierbei sollten, dadurch, dass der endgültige Ausgang nicht weiter bekannt ist, Szenarien durchgespielt werden.

Fragen für die nächste Aufsichtsratsitzung, die ein Vorstand beantworten könnte:

  1. Ist unser Unternehmen durch den Brexit betroffen?
  2. Haben wir Kunden im entsprechenden Bereich?
  3. Haben wir Lieferanten im entsprechenden Bereich?
  4. Haben wir Mitbewerber im entsprechenden Bereich?
  5. Ändern sich Währungsrisiken?
  6. Welche Risiken, aber auch Chancen ergeben sich?
  7. Der Dominoeffekt im europäischen Raum? Welche „Klumpenrisiken“ hätte unser Unternehmen mit anderen, europäischen Staaten (Italien, Spanien, Griechenland)?

Nicht bei allen Fragen kann zum jetzigen Zeitpunkt irgendein Vorstand sprechfähig sein. Allerdings muss man sich mit dem Thema rechtzeitig auseinandersetzen. Reines „Abwarten“ und „Müssen-wir-sehen“ sind als passive Strategien nicht empfehlenswert.

Metaebene und weiterführende Literatur

Die Themen werden zur Zeit eher auf Metaebene, und damit außerhalb des Wirkungsbereiches von Unternehmen behandelt. Empfehlenswert der Artikel von Stephan Werhahn im aktuellen Focus. Europa benötigt dringend Unterstützung. Als Unternehmen muss man sich auf die verschiedenen Szenarien einstellen.

Ein Starkes Europa ist die beste Medizin

Mut zur Führung, wie es Konrad Adenauer es vormachte

Stephan Werhahn

Stephan Werhahn

Adenauer wurde ein überzeugter Pro-Europäer. Er glaubte, die Teilung Deutschlands und Europas war das Ergebnis der Ost-West-Spannungen, nicht der Grund. Also war der beste Weg, die Teilung zu überwinden, mit Frankreich zusammenzuarbeiten und die Teilung Europas zu  überwinden. Die beste Medizin für eine Erholung und für Wohlstand, Wachstum und Frieden war daher ein starkes Europa, sowohl für Deutschland als auch für den Kontinent.
Im heutigen in vielen Fragen politisch gespaltenen Europa ist es dringend geboten, sich darauf zu besinnen, dass gute und mutige Führung den Unterschied macht:

  • Nutzung von langfristigen Perspektiven, um Probleme zu lösen
  • Präsentieren von klaren und offenen Optionen für die Bürger
  • Nationale Interessen werden auf die europäische Ebene gehoben
  • Mut besitzen, einmal getroffene Entscheidungen durchzuziehen.

Das war das Erfolgsgeheimnis der deutschen und europäischen Erholung und des allgemeinen Wohlstands und Friedens. Diese mutige Führung ist heute in Europa gefragter denn je.

Ungelöste Themen gibt es zuhauf

Die Eurokrise: Seit fünf Jahren werden grundlegende vertragliche Missstände verschleppt, weil die langfristige Perspektive fehlt. Die Flüchtlingskrise: Seit Jahren ist klar, dass die vom Hunger und Krieg bedrohten Menschen Afrikas und des Mittleren Ostens zunehmen, sehr zahlreich sind und – wenn sie verzweifelt Schutz vom christlichen Standpunkt suchen – aus nicht abgewiesen werden können.
Die kulturellen Grundwerte und unsere allgemeine Sicherheit müssen gewahrt werden. Wir brauchen daher feste Außengrenzen, eine klare Einwanderungspolitik, die eine Überlastung unserer Städte und Regionen in Europa verhindert, und humane Integrationskonzepte.
Es fehlt auf europäischer Ebene ein konsequentes marktwirtschaftliches Konzept mit sozialer Verantwortung für die wirklich Bedürftigen. Zentralistische Verteilung der Mängel reicht nicht aus! Schließlich fehlt ein fester staatlicher und wertemäßiger Ordnungsrahmen, der sich ausdrückt in einer subsidiären, demokratischen Verfassung mit klarer Bottom-up-Kompetenzverteilung Zustimmungspflichten der Bürger.
Die Politiker, Wirtschafts- und Gesellschaftseliten aller europäischer Länder müssen wieder wie bei Schumann, de Gasperi und Adenauer den Mut zu guter Führung besitzen, dann haben alle die Chance zu einem starken freien Europa.

Der Text erschien ursprünglich Wirtschaftsforum des MIT.

Korn/Ferry-Studie: The New European Executive

Anforderungsprofil an Manager hat sich seit der Finanzkrise deutlich gewandelt

Die wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten in Europa in den letzten fünf Jahren haben einen dramatischen Effekt auf die Fähigkeiten und die Qualität der europäischen Führungskräfte. Das Personalberatungainstitut Korn/Ferry hat in seiner neusten Studie „New European Executive“ untersucht, welche Anforderungen eine moderne Führungskraft ausmachen. Hierfür wurden mehr als 100 europäische Führungskräfte interviewt und eine umfangreichen Datenbankanalyse von Executive Assessment Profilen durchgeführt. 

Die wichtigsten Ergebnissen zeigten, dass Manager heute flexibler und anpassungsfähiger sein müssen als vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Der schnelle Wandel erfordert mehr Mut und mehr strategische Voraussicht – trotz einer begrenzten Informationslage. Das entscheidende Merkmal für Führungskräfte in Europa heute ist die Fähigkeit, mit Mehrdeutigkeiten umzugehen; eine Eigenschaft die vor fünf Jahren noch als weitgehend irrelevant angesehen wurde. Manager von heute müssen eine Vision entwickeln und diese den Stakeholdern entsprechend kommunizieren. Heutige Führungskräfte sind Visionäre,  angetrieben durch Kompetenz und Know-how, flexibler und anpassungsfähiger in einem schnell wandelnden Unternehmensumfeld. 

Die Studie ist im Original abrufbar unter http://www.kornferryinstitute.com/sites/all/files//documents/briefings-magazine-download/KFWHM_Leadership_Recovery_Growth_print.pdf

EU-Kampagne zur Gleichstellung der Geschlechter in Aufsichtsräten

Nur jedes siebte Aufsichtsratsmitglied bei führenden europäischen Unternehmen ist weiblich. Die EU-Kommission wirbt mittlerweile intensiv für eine Gleichstellung der Geschlechter in Aufsichtsräten. Weitere Informationen unter ec.europa.eu/justice/gender-decision-making