Frauen in den Aufsichtsrat: EU will gesetzliche Quote

 

Bis 2020 sollen 40 Prozent aller Aufsichtsrats-Mitglieder weiblich sein. Das will die EU-Justizkommissarin und Vizepräsidentin Viviane Reding.

Berlin. Frauen in Führungspositionen bleiben hierzulande immer noch eine Randerscheinung. In den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen waren 2011 nur drei Prozent Frauen anzutreffen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Führungskräfte-Monitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). [mehr…]

 

DSW-Aufsichtsratsstudie: Dax-Aufseher kassieren 70 Millionen Euro

 

Nach Angaben der Anlegerschützer vom DSW sind die Aufsichtsräte der 30 DAX-Unternehmen 2011 besser vergütet worden als im Jahr zuvor. An der Spitze der Gehaltsliste findet sich ein alter Bekannter.

In den deutschen Medien wurde noch im Frühjahr wochenlang heftig darüber gestritten, ob Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn sein Jahresgehalt für 2011, insgesamt über 17 Millionen Euro, verdient habe oder ob eine solche Summe angesichts krasser sozialer Unterschiede in Deutschland nicht unangebracht sei. Nun gibt es Stoff für eine neue Diskussion über die Gehälter von Top-Managern: Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat am Mittwoch ihre Aufsichtsratsstudie 2012 vorgelegt. [mehr…]

 

Heidelberger: Gelddruckmaschine für den Aufsichtsrat

Der MDAX-Absteiger Heidelberger Druckmaschinen macht seit Jahren Verlust. Aber die Aufsichtsräte wollen ihre Bezüge erhöhen – dem Chefkontrolleur winkt sogar dreimal so viel wie bisher, das geht aus der Einladung zum Aktionärstreffen hervor.

Bisher erhält ein einfaches Mitglied 18.000 Euro Festgehalt und eine dividendenabhängige Variable. Nur gibt es seit vier Jahren keine Ausschüttung mehr, und auch für das laufende Geschäftsjahr 2012/13 werden abermals keine Gewinne prognostiziert.

Künftig soll ein Aufsichtsrat 40.000 Euro erhalten, die variable Komponente von zuletzt null entfällt. Der Aufsichtsratschef profitiert überproportional, weil sich zusätzlich der Faktor für diese Funktion erhöht: Er streicht dann das Drei- statt das Zweifache vom Normalsatz ein: 120.000 Euro statt zuletzt 36.000 Euro. Chefkontrolleur ist Robert Koehler, hauptberuflich Chef von SGL Carbon.

Lesen Sie den vollständigen Artikel der FTD unter http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:heideldruck-gelddruckmaschine-fuer-den-aufsichtsrat/70067025.html

HEIDELBERG CEMENT: Beraterin der Bundeskanzlerin in den Aufsichtsrat geholt

Heidelberg Cement hat die Kanzler-Beraterin Marion Weissenberger-Eibl in den Aufsichtsrat berufen. Sie tritt die Nachfolge des ausgeschiedenen Herbert Lütkestratkötter an.

Stuttgart/Berlin. Deutschlands größter Baustoffkonzern HeidelbergCement hat die Professorin und Kanzler-Beraterin Marion Weissenberger-Eibl in den Aufsichtsrat berufen. Das Amtsgericht Mannheim bestellte die Leiterin des Karlsruher Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung und Hochschullehrerin an der Universität Kassel als Nachfolgerin des ausgeschiedenen Herbert Lütkestratkötter, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Die studierte Betriebswirtin und Ingenieurin leitet seit dem vergangenem Jahr auch den Zukunftsdialog von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Weissenberger-Eibl wurde bis zur nächsten Hauptversammlung im Mai 2013 bestellt. Ihr Vorgänger, der frühere Hochtief-Chef Lütkestratkötter, hatte seinen mit knapp 50.000 Euro vergüteten Aufsichtsratsposten bei HeidelbergCement Mitte April aus persönlichen Gründen niedergelegt.

Aufsichtsratschef Fritz-Jürgen Heckmann sagte, Weissenberger-Eibl sei in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik „sehr gut vernetzt“. Sie bringe „reichhaltige Erfahrung und Kompetenz in den Bereichen Innovationsforschung, erneuerbare Energien, demografische Entwicklung, Nachhaltigkeit und Wissensmanagement“ mit. Dadurch stärke das Unternehmen mit knapp 53.000 Beschäftigten und knapp 13 Milliarden Euro Umsatz die Beziehung zu Wissenschaft und Forschung.

Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/koepfe/heidelberg-cement-merkel-beraterin-in-den-aufsichtsrat-geholt/6833876.html

Vom Vorstand in den Aufsichtsrat – Gesetzesentwurf über zwei Jahre cooling off in Österreich

Mit einem im europäischen Vergleich sehr scharfen Gesetz soll Ex-Vorständen der Weg ins Kontrollgremium zwei Jahre lang komplett versperrt sein

Nach dem Corporate Governance-Kodex soll in Übereinstimmung mit einer Empfehlung der EU-Kommission bei der Übernahme des Aufsichtsratsvorsitzes eine zweijährige Cooling-off-Phase eingehalten werden. Diese unverbindliche Regel will jetzt in Österreich ein Gesetzesentwurf durch eine weit schärfere Norm ersetzen: Künftig soll jeder Wechsel in den Aufsichtsrat einer börsennotierten AG innerhalb von zwei Jahren unzulässig sein. Anders als in Deutschland ist der Wunsch der Aktionäre, einen Ex-Vorstand in das Kontrollgremium zu berufen, irrelevant.

Der Entwurf sieht noch eine weitere Beschränkung vor: Wer strafgerichtlich verurteilt ist, scheidet künftig als Aufsichtsrat aus, dies aber nur, wenn die Verurteilung „die berufliche Zuverlässigkeit in Frage stellt“. Eine Aufzählung der einschlägigen Delikte enthält der Entwurf leider nicht. Er wird folglich Anfechtungsprozesse mit zweifelhaftem Ausgang provozieren. Eindeutig – und tröstlich – ist aber, dass die Neuregelung im Zusammenspiel mit den laufenden Ermittlungen den Aufsichtsrat tendenziell von Politikern freihalten dürfte.

Quelle: Stefan Müller, Rechtsanwalt

Corporate Governance Kodex 2012: Aktuelle Anpassungen für unabhängige Aufsichtsräte

Die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex hat ihre aktuellen Anpassungen des Kodex vorgestellt und beschränkt sich in diesem im Wesentlichen auf Klarstellungen. Eine variable Aufsichtsratsvergütung soll es demnach nicht geben, jedoch mehr Transparenz im Aufsichtsrat.

Die Kommission führte zum ersten mal ein Konsultationsverfahren durch, d.h. Interessierte konnten sich erstmalig schriftlichen zu Formulierungsvorschläge vorab konkret äußern; über 70 Stellungnahmen von Verbänden, Kanzleien und aus der Wissenschaft gingen seit dem 1. Februar 2012 ein.

VORERST DOCH KEINE VARIABLE AUFSICHTSRATSVERGÜTUNG

Die ursprüngliche Empfehlung, neben der fixen eine variable Aufsichtsratsvergütung einzuführen, hat das Gremium aufgegeben und trägt damit der gegenwärtigen Praxis Rechnung, wonach Aufsichtsräten überwiegend eine feste Vergütung gewährt wird. Die Kommission wird sich jedoch mit dem Thema „Vergütung“ in den kommenden Monaten intensiver befassen.

Der angepasste Kodex nimmt den Aufsichtsrat künftig stärker in die Pflicht. So zum Beispiel im Rahmen des Jahresabschlusses, indem er restriktive Vorgaben zum Prüfungsausschuss und zum Berichtswesen enthält. Interessant ist auch die explizite Aufforderung, der Aufsichtsrat solle bei Bedarf ohne den Vorstand tagen. Damit gleicht der Kodex die Überwachungspflichten des Aufsichtsrates stärker an die ständig wachsenden Anforderungen der Rechnungslegung für börsennotierte Unternehmen an.

Ein weiterer Punkt betrifft die Zusammensetzung des Aufsichtsrats: Hier soll der Kodex für noch mehr Transparenz sorgen, wenngleich der ursprünglich vorgeschlagene Katalog, wann ein Mitglied des Aufsichtsrats als unabhängig gelten soll, nach deutlicher Kritik wieder gestrichen wurde.

Trotzdem verschärft die Kommission die Anforderungen, um Interessenskonflikten besser vorzubeugen: Nach der Neufassung des Kodex soll der Aufsichtsrat bei Wahlvorschlägen an die Hauptversammlung künftig die persönlichen und die geschäftlichen Beziehungen eines jeden Kandidaten zum Unternehmen, zu den Organen der Gesellschaft und zu einem wesentlich an der Gesellschaft beteiligten Aktionär offenlegen. Gelten soll das für alle Umstände, die ein objektiv urteilender Aktionär als maßgeblich für seine Wahlentscheidung ansehen würde. Als wesentlich gilt eine Beteiligung, wenn sie 10 Prozent der stimmberechtigten Aktien übersteigt.

Trotzdem verschärft die Kommission die Anforderungen, um Interessenskonflikten besser vorzubeugen: Nach der Neufassung des Kodex soll der Aufsichtsrat bei Wahlvorschlägen an die Hauptversammlung künftig die persönlichen und die geschäftlichen Beziehungen eines jeden Kandidaten zum Unternehmen, zu den Organen der Gesellschaft und zu einem wesentlich an der Gesellschaft beteiligten Aktionär offenlegen. Gelten soll das für alle Umstände, die ein objektiv urteilender Aktionär als maßgeblich für seine Wahlentscheidung ansehen würde. Als wesentlich gilt eine Beteiligung, wenn sie 10 Prozent der stimmberechtigten Aktien übersteigt.

BERICHT ÜBER VORSTANDSVERGÜTUNG NUR NOCH BEI ÄNDERUNG

In der Praxis ist diese Änderung nicht unproblematisch. Auch wenn bestimmte Sachverhalte im Abhängigkeitsbericht des Jahresabschlusses ohnehin erläutert werden müssen: Der Aufsichtsrat kann hier seiner Verpflichtung aus dem Kodex nur nachkommen, wenn der Kandidat entsprechend mitwirkt. Unternehmen dürfte es daher in Zukunft schwerer fallen, die diesbezüglich uneingeschränkte Einhaltung des Kodex mit gutem Gewissen zu bestätigen.

Weitere Änderung im Kontext Aufsichtsrat: Künftig soll der Aufsichtsratsvorsitzende nicht mehr in jeder Hauptversammlung über die Grundzüge des Vorstandsvergütungssystems berichten müssen, sondern nur einmal beziehungsweise nur dann, wenn dieses sich ändert. Das verkürzt den von vielen Aktionären als rein formalistisch empfundenen Bericht des Aufsichtsrats an die Hauptversammlung. Interessierte Aktionäre können sich ohnehin über die Vergütungsstruktur jederzeit im Vergütungsbericht informieren. Dieser ist übrigens nach der Neufassung des Kodex nicht mehr Bestandteil des Corporate Governance Berichts.

Ausdrücklich nimmt die Kommission auch noch einmal Stellung zur „Abweichungskultur“. Der Corporate Governance Kodex baue ausdrücklich auf Sollvorschriften auf. Eine Abweichung von einer Kodexempfehlung könne durchaus im Interesse einer guten Unternehmensführung liegen – vorausgesetzt, so stellt die Präambel des Kodex klar, sie ist gut begründet.

Quelle: Dr. Oliver Maaß – http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/corporate-governance-kodex-2012-anpassungen-fuer-unabhaengige-aufsichtsraete/