Wie werde ich Aufsichtsrätin?

Die Frage

Heute erhielt ich in der LinkedIn Gruppe „Leader.In“ von Carina Kontio einen interessante Frage:

Ganz andere Frage Herr Stephan Wie werde ich eigentlich Aufsichtsrätin?

Ich hatte im Kommentar kurz geantwortet, eine etwas Umfangreichere wollte ich aber lieber hier formulieren. Um es kurz zu machen: Eine einfache und spontane Antwort kann ich auch nicht liefern. Aber auch einen Masterplan, eine strukturierte Vorgehensweise muss ich leider schuldig bleiben.

Die Antwort ……. ?

Betrachten wir zuerst: Wie werde ich Aufsichtsrat. Ich verwende den Begriff jetzt mal asexuell, da die Grundqualifikationen von jedem verfügt werden müssen, unabhängig vom Geschlecht.

  1. Fachwissen: Die Person muss über ein Fachwissen verfügen. Dieses müssen nicht zwingend Bilanzkenntnisse sein, es sei denn, man strebt eine Position im Finanzausschuss des Aufsichtsrates an. Spätestens seit dem AReG jedoch muss die Hälfte des Aufsichtsrat über Kenntnisse in der Branche verfügen.
  2. Führungserfahrung: Ein Aufsichtsrat hat verschiedene Aufgaben. Im Epizentrum seines Wirkens ist jedoch Bestellung und Kontrolle des Vorstandes. Dieses erfordert Feingeschick und Führungserfahrung („You cannot google Experience“)
  3. Netzwerk: Erfahrene Führungskräfte gibt es viele. Aber nur ca. 5% der jährlich neu zu besetzenden Aufsichtsratmandate werden über einen offenen Markt vergeben. Daher muss man, wenn man sich für einen Posten in einem Aufsichtsrat bemühen möchte, ein Netzwerk an Förderer in den richtigen Hierarchiebenen aufbauen.

Diese Hinweise waren noch allgemein. Im Kontext „Netzwerk“ kann man als Frau einiges tun: So gibt es Plattformen, die sich dem Thema gewidmet haben. Neben unserer (German IoD) ist vorrangig der FidAR zu nennen, die Initiative für mehr Frauen in die Aufsichtsräte.

Es gilt: Tue Gutes… und Rede darüber. Expertise alleine führt (leider) selten zu einem Erfolg. Daher könnte man sich als Frau, neben dem normalen Netzwerk in Profession und/oder Konzern auch hier etablieren. Der FidAR ist in Chaptern bundesweit organisiert und auf LinkedIn finden sich mehrere Vertreter. Hier wären zum Beispiel Frau Monika Schulz-Strelow oder Frau Benning Rohnke zu nennen, die einem sicherlich weiterhelfen.

Ein Blick über die Grenzen hilft übrigens auch: So werden gerade in der Schweiz öfters explizit weibliche Vertreter gesucht.

Speed Coaching zum Weg in den Aufsichtsrat

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Das war ein Erfolg für die Leiterin von FidAR-Süd, Frau Elke Benning-Rohnke. Sie rief – und über 160 Gäste, überwiegend herausragende Frauen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft erschienen beim Summer Summit.

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Eckart Reinke war zum Speed Coaching gekommen, um Wege in den Aufsichtsrat aufzuzeigen. Zuvor jedoch gab er einen scherzhaften und dennoch hintergründigen Hinweis an alle Anwesenden, wie man den Weg in einen Aufsichtsrat finden könnte.

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In vielen Einzelgesprächen gab es konkrete Hinweise zu der aktuellen Situation, zu den Wünschen der beruflichen Selbstverwirklichung und erste Hinweise, was man tun könnte, um diese zu erreichen.

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Diese Speed Coachings können nur ein erster Appetizer sein. Wer will, kann sich dann später intensiver auf dem Weg in einen Aufsichtsrat aktiv coachen lassen.

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Mit Stephan Koß war ein weiteres Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts der Aufsichtsräte in München vor Ort, denn ohne Visibilität in den einschlägigen Medien, ist ein Aufsichtsratsmandat trotz bester Qualifikationen kaum erreichbar.

Daimler könnte Frauenanteil im Aufsichtsrat verdreifachen

Noch wird der Daimler-Konzern vor allem von Männern geführt – Vorstandschef Dieter Zetsche lehnt eine Quotenregelung ab. Doch ab der nächsten Hauptversammlung werden bis zu sechs Daimler-Aufsichtsräte durch die Entsendung der Arbeitnehmerseite weiblich sein.

Von der nächsten Hauptversammlung am 10. April an werden fünf, vielleicht sogar sechs der Daimler-Aufsichtsräte weiblich sein. Säßen dann tatsächlich sechs Frauen auf dem Podium, läge ihr Anteil im Kontrollgremium bei 30 Prozent. Daimler erfüllte damit als sechster der 30 DAX-Konzerne eine Quote, die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen der deutschen Wirtschaft so gerne gesetzlich vorschreiben möchte.

Arbeitnehmerseite gibt drei Frauen gute Aussichten

Vor allem verantwortlich für die feminine Welle bei Daimler ist das Arbeitnehmerlager. In den nächsten Tagen bestimmen die Mitarbeiter des Automobilkonzerns neu darüber, wer sie im Aufsichtsrat vertreten soll. Gleich drei Frauen haben gute Aussichten auf ein Mandat.

Ausfürhrliche Informationen finden Sie unter http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/mehr-frauen-im-aufsichtsrat-bei-daimler-a-880466.html

Fraunhofer-Studie: Unternehmenskulturen verändern – Karrierebrüche vermeiden

Studie ”Unternehmenskulturen verändern – Karrierebrüche vermeiden” des Fraunhofer Instituts

Die Autoren erörtern in ihrer Studie die Gründe für die Karrierebrüche weiblicher Führungskräfte. Nach einer umfassenden Ursachenanalyse werden neue Ansätze zur Vermeidung von Karrierebrüchen entwickelt. Die Autorinnen stellen fest, dass ein umfassender Kulturwandel in den Unternehmen für die Erreichung von mehr Frauen in Führungspositionen notwendig ist. Sie identifizieren vier idealtypische Kulturmuster, anhand derer sich Ansatzpunkte für Handlungsempfehlungen herleiten lassen.

Die vollständige Studie „Unternehmenskulturen verändern – Karrierebrüche vermeiden“ ist abrufbar unter http://publica.fraunhofer.de/eprints/urn:nbn:de:0011-n-2171498.pdf

WOMEN-ON-BOARD-INDEX

Women-On-Board-Index der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR)

11 Jahre nach der Selbstverpflichtungserklärung der deutschen Wirtschaft, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen, und 3 Jahre nach der Aufnahme der Forderung nach mehr Vielfalt in den Deutschen Corporate Governance Kodex liegt der kumulierte Zuwachs von Frauen in Führungspositionen bei 9,7 Prozent (Stand 14.10.2012). Von derzeit insgesamt 1638 Aufsichtsräten der DAX, MDAX, SDAX und TecDAX-Unternehmen sind derzeit lediglich 251 weiblich (15,32%) besetzt. 51 (31,9 Prozent) der 160 untersuchten Unternehmen haben keine einzige Frau im Aufsichtsrat.

Die vollständige Studie finden Sie unter http://www.fidar.de/webmedia/documents/wob-index/121014_WoB-Index_III_Internet.pdf

Universität Hamburg: Discussionpaper zur gesetzlichen Frauenquote

Im Rahmen des Seminars „Ausgewählte aktuelle Fragen aus
Unternehmenssteuerung und Unternehmensüberwachung“ entstand an der WiSo-Fakultät der Universität Hamburg eine differenzierte und lesenswerte Auseinandersetzung zur gesetzlichen Frauenquote ..

Die Frage, ob Frauen gleichberechtigt am Wirtschafts- und Berufsleben teilnehmen sollten gehört heute eher in die Geschichtsbücher und erscheint aus der „gegenwärtigen Perspektive als eher kurios“. Im überwiegenden Teil der Wirtschaftsbranchen liegt der Anteil der Frauen an den Beschäftigten auch nicht mehr allzu weit vom Bevölkerungsdurchschnitt entfernt. Gleichwohl gibt es selbst gegenwärtig noch das beobachtbare Phänomen, das der Anteil der Frauen an den Beschäftigten mit zunehmender Höhe der Hierarchiestufe in den Unternehmen immer weiter abnimmt. Besonders signifikant ist die Männerdominanz in den Vorständen und Aufsichtsräten der Aktiengesellschaften. Daher verwundert es auch nicht sonderlich, dass gegenwärtig die Rufe aus Politik und Wirtschaft nach einer Quotierung des Frauenanteils von Aufsichtsräten bei deutschen, börsennotierten Unternehmen immer lauter werden.

Weiterführende Links:

 

 

Frauen in Führungspositionen: Aktuelle Studie sieht Deutschland auf gutem Weg

In den USA schaffen es immer mehr Frauen in Führungspositionen von Technologie-Riesen wie Yahoo ebenso steigt der Anteil weiblicher Aufsichtsräte in den europäischen Ländern mittels Quoten. Auch Deutschland rangiert laut einer aktuellen Studie auf einem internationalen Spitzenplatz.

Zur Studie „Third Billion Index 2012“: 

http://www.booz.com/media/uploads/BoozCo_Empowering-the-Third-Billion_Briefing-Report.pdf

EU-Kampagne zur Gleichstellung der Geschlechter in Aufsichtsräten

Nur jedes siebte Aufsichtsratsmitglied bei führenden europäischen Unternehmen ist weiblich. Die EU-Kommission wirbt mittlerweile intensiv für eine Gleichstellung der Geschlechter in Aufsichtsräten. Weitere Informationen unter ec.europa.eu/justice/gender-decision-making

Warum Aufsichtsräte mit weiblichen Mitgliedern weniger Fehler machen

Aufsichtsräte mit einer oder mehreren Frauen als Mitglieder haben eine um 38% geringere Wahrscheinlichkeit, ihre Finanzkennzahlen korrigieren zu müssen. Dieses ergibt eine Studie aus den USA.

Companies whose directors include one or more women are 38% less likely to have to restate their financial-performance figures to correct errors than firms with all-male boards, says a team led by Lawrence J. Abbott of the University of Wisconsin-Milwaukee. Gender diversity may make a board more open to viewpoints that oppose the CEO’s and may encourage a more deliberative and collaborative decision-making process, according to the research, published in the American Accounting Association journal Accounting Horizons.

Source: Women on corporate boards foster better financial reporting, study finds