Angelesen: Netzwerk schlägt Hierarchie

Intro

Erfolgreiche Menschen lesen viel, sagt der BusinessInsider. Also Zeit, mal wieder zu lesen. Daher habe ich mir das Buch von Christiane Brandes-Visbeck und Ines Gensinger, „Netzwerk schlägt Hierarchie: Neue Führung mit Digital Leadership“ mal näher angesehen und gelesen.

Netzwerk schlägt Hierarchie

Es ist Sonntag, also zeit, um etwas Zeit mit Lesen (und Schreiben) zu verbringen:

Netzwerk schlägt Hierarchie

Zum Buch

Das Buch selber versucht, einen Missstand aufzuzeigen: Jahrelanges Prozessmanagement und Optimierungen in Verwaltungen haben dazu geführt, dass auf kleinster Messebene kontrolliert und berichtet wird. Die Einengung von Mitarbeitern und ein gelebter Vertrauensverlust dieser führt dazu, dass die Prozesse im Jahr 2017 optimal laufen. Diese Perspektive hat allerdings einen großen Nachteil: Es können hieraus keine neuen Ideen erwachsen.

Wenn wir uns die Erfolge von Uber oder AirBnB anschauen: Diese sind nicht aus kontrollierten Prozessen erwachsen, sondern sind Innovationen. Allerdings nicht von Seiten der IT, sondern aus der Business Process Sicht. Hier wurden bekannte Prozesse genommen und gefragt: Wie kann ich dem Kunden besseren Nutzen stiften.

Solche innovativen Ideen erwachsen aber nur in einer offenen Kultur. Das dieses auch bei Konzernen funktionieren kann, hat die Post (besser DHL) bewiesen: Deren Elektroautos laufen, während die großen Autohersteller nicht in der Lage waren, einen e-Transporter zu designen und zu produzieren.

Warum ich das Buch für lesenswert halte

Angenehmer Start: Das Buch möchte nicht die endgültige Wahrheit aufzeigen. Im Bereich, in dem es um soziale Kompetenz und Empathie geht, wird es diese auch nicht geben. Statt dessen wird aufgezeigt, wie sich Manager in Zukunft bewegen können: Vertrauen in Mitarbeiter schaffen und Rahmenbedingungen, die für eine innovative Kultur im Unternehmen stehen.

Hierbei wird nicht nur auf der grünen Wiese designed, sondern auch Praxisbeispiele dargestellt: Wie kann man innovative Ideen exemplarisch in einer Keksfabrik umsetzen?

Dabei wird auch das Thema „New Work“ angegangen, wie man die Rahmenbedingungen einer Organisationskultur zu umbauen kann, dass sich Mitarbeiter wohl fühlen und auch langfristig dem Unternehmen erhalten bleiben. In Zeiten exorbitanter Recruitingkosten kann man den Vorteil der langfristigen Bindung von Mitarbeitern sogar einem Controller erläutern.

Fakten, Fakten, Fakten

  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Redline Verlag (11. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3868816828
  • ISBN-13: 978-3868816822
  • Im gut sortierten Fachhandel (wie Amazon) erhältlich

 

Fahrstuhl Tür zu Knopf – „Startknopf für den Karriereturbo“

Karriereturbo

Kürzlich las ich einen Artikel in edition F zum Thema Professionalisierung der Prokastrination. Sehr erheiternd. Einen Absatz hatte es mir besonders angetan:

Der Fahrstuhl Tür Zu Knopf als Karriere BoostDie Königsdisziplin: Drücke im Fahrstuhl den Tür-Zu-Knopf. Und zwar j e d e s M a l, wenn du Fahrstuhl fährst. A u s n a h m s l o s. Und schaue dabei auf keinen Fall vom Smartphone hoch.

Was sagt das über unsere Businesswelt aus?

Nach einem kurzem Schmunzeln musste ich über diesen Absatz länger nachdenken. Roland Berger soll sogar diesen Knopf als „Karriere Boost“ bezeichnet haben. Tatsächlich ist mir das auch aufgefallen. Gerade die Kollegen aus dem Middle Management nutzen jede Möglichkeit, Ihre Unabkömmlichkeit zu demonstrieren. Und dazu gehört auch, diskutierend in den Fahrstuhl zu treten, den Türzu Knopf zu betätigen, egal, ob noch jemand kommt oder gar direkt hinter einen befindet.

Dieses unscheinbar kleines Detail zeigt aber ein Signal, was ich erschreckend finde: Man spürt die Zunahme von Egoismus und Selbstherrlichkeit. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft ist dieses eher kontraproduktiv: Eine Unternehmung funktioniert nur mit allen Teilnehmern, und ein gesunder Respekt im Umgang gehört dazu. Jahrelange Konditionierung des Middle Management auf Ergebnisse hat diese Kultur nicht gefördert, empathische Züge wurden abtrainiert.

Wer sich dessen bewusst ist: Britta Weddeling empfiehlt im Handelsblatt sogar einen Fahrstuhl Knigge. Mit kleinen Schritten kommen wir wieder voran!