Neuer Chef bei Bosch: Gesellschaft mit beschränkter Macht

Boschs neuer Chef Volkmar Denner übernahm Sonntag einen Konzern mit intransparentem Führungssystem. Der Mann an der Spitze des Zulieferers ist jedoch traditionell kein Alleinherrscher.

Volkmar Denner hat große Pläne mit seinem Konzern. Am Sonntag übernahm der 55-Jährige Bosch – den weltgrößten Autozulieferer, zu dessen Sortiment neben Industriegütern auch Elektrowerkzeuge und Haushaltsgeräte gehören. Die Vernetzung des Konzerns und seiner Produkte – das ist die Vision Denners. Eine Herkulesaufgabe in einem Unternehmen mit 300.000 Beschäftigten und mehr als 50 Mrd. Euro Umsatz. Denner müsste ab Sonntag also einer der mächtigsten Manager der Welt sein.

Doch so funktioniert das System Bosch nicht. Der Weltkonzern aus Schwaben kennt keine Alleinherrscher. Auch Denner wird das nicht sein. In wichtigen Fragen muss er sich wie seine Vorgänger den Segen eines Zirkels von Wirtschaftsgrößen holen, der bei Bosch die wahre Macht besitzt.

Industrietreuhand KG heißt das geheimnisvolle Gremium, das es in keinem anderen Großkonzern gibt. Es hält nur 0,01 Prozent der Anteile an Bosch, aber 93 Prozent der Stimmrechte. Wer einen Platz erhält, entscheiden die Mitglieder selbst. “Bislang haben wir immer die Richtigen gefunden”, sagt ein Mitglied. Dem illustren Kreis gehören zum Beispiel Gründer-Enkel Christof Bosch an oder der ehemalige BASF-Chef Jürgen Hambrecht. Kein Kodex kontrolliert die Industrietreuhand. Das erledigt das System Bosch selbst.

So ein Modell wirkt im Zeitalter strenger Corporate-Governance-Regeln überkommen. Fachleute sehen aber keinen Anlass, auf eine Reform zu dringen. Bosch gehört einer Stiftung. “Die Wahl der Rechtsform bestimmt das Ausmaß an Transparenz”, urteilt der sonst kritische Corporate-Governance-Experte Manuel Theisen.

Anders als in börsennotierten Aktiengesellschaften muss sich Bosch nach keinem Regelwerk richten. Der Aufsichtsrat hat nichts zu sagen. Er muss zum Beispiel strategische Beschlüsse abnicken, die zuvor ein anderer wichtiger Kreis entschieden hat, der alle zwei Wochen im neunten Stock der Konzernzentrale tagt.

Zu dieser “Chefbesprechung” werden künftig neben Denner und sein Vize Siegfried Dais kommen, zudem Bernd Bohr, der mächtige Chef der Autosparte. Empfangen werden sie von Denners Vorgänger Franz Fehrenbach, der künftig die Industrietreuhand leitet. Ihm zur Seite steht sein Vize Tilman Todenhöfer, ein gut vernetzter Ex-Bosch-Manager, der unter anderem im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt. Über den Führungswechsel stimmte sich die Chefrunde diskret ab. An die Öffentlichkeit drang davon allerdings gar nichts.

Das hohe Maß an Intransparenz wird hingenommen, auch von der Belegschaft. Bosch ist ein beliebter Arbeitgeber, dem es trotz unorthodoxer Führungsstruktur wirtschaftlich gut geht. “Bosch ist ein gelungener Ausnahmefall”, sagt Corporate-Governance-Fachmann Christian Strenger.

Die Bosch-Stiftung hat die Stimmrechte Mitte der 60er-Jahre an die Industrietreuhand abgegeben, um unternehmerische von gemeinnützigen Aufgaben zu trennen. Die Familie hält noch sieben Prozent. Andere Teilhaber gibt es nicht. “Bosch beansprucht nicht das Geld Dritter”, so Strenger.

Der Konzern führt einen Teil des Gewinns an die Stiftung ab, behält den großen Rest. Auch Banken haben deshalb keinen Grund, sich über Intransparenz zu beschweren – Bosch braucht keine Kredite.

Die Zeit geht an dem Unternehmen nicht spurlos vorüber. Mussten frühere Konzernchefs beim Großen Vorsitzenden der Industrietreuhand ständig zum Rapport antreten, ist der Umgang in den vergangenen Jahren wesentlich legerer geworden, heißt es im Umfeld der Konzernspitze. “Systematische Einmischung ins Tagesgeschäft findet nicht mehr statt.” Alleinherrscher wird Denner deshalb aber noch lange nicht werden.

Quelle: Heimo Fischer: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:neuer-chef-bei-bosch-gesellschaft-mit-beschraenkter-macht/70056338.html

Bundestag-Opposition will Offenlegung der Gehälter bei Unternehmen mit Bundesbeteiligung

Berlin (hib/HLE): Die Bundesregierung soll auf alle Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligung des Bundes einwirken, damit sie den „Public Kodex“ verankern. Die Umsetzung solle bis Ende 2012 erfolgen, fordert die Opposition in einem Antrag (17/9984). „Im „Public Corporate Governance Kodex“ (Public Kodex), der für Unternehmen mit staatlicher Beteiligung gilt, ist die individuelle Offenlegung der Gehälter der Geschäftsführung, Vorstände und Aufsichtsräte als Empfehlung enthalten“, erläutert die Fraktion. Die Zahl der Unternehmen, die die Bezüge der Vorstände und Aufsichtsräte tatsächlich individuell veröffentliche, zeige, dass diese freiwillige Empfehlung zu kurz greife. Als Anteilseigner könne der Bund maßgeblich darauf hinwirken, ob und wie der Kodex umgesetzt werde. „Nur so kann die Unternehmensführung und –überwachung ehrlich, konsequent und transparent gestaltet werden“, heißt es in dem Antrag.

Quelle: Bundestag, Pressemitteilung Wirtschaft und Technologie/Antrag 17/9984

Aktiengesellschaften folgen weitgehend dem Corporate Governance Kodex

Die brandneue Studie Kodexakzeptanz 2012 desCenter for Corporate Governance (CCG) der Handelshochschule Leipzig (HHL) untersucht das Compliance-Verhalten deutscher Aktiengesellschaf­ten und die Akzeptanz des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK). Dieser enthält Emp­fehlungen und Anregungen für eine angemessene und gute Unternehmensführung deutscher Aktienge­sellschaften. Wie die Studie nun zeigt, wird der Ko­dex in den meisten börsennotierten Unternehmenweitgehend angewendet.

Die Unternehmen sind nicht verpflichtet, dem Corporate Governance Kodex zu folgen, müssen aber jährlich in einer so genannten Entsprechenserklärung darlegen, inwieweit sie den Empfehlungen folgen oder von diesen abweichen. Die erste Version des Kodex wurde 2002 vorgestellt. Nach nun zehn Jahren analysiert und bewertet die Studie des CCG umfassend die Akzeptanz des Kodex und das Compliance-Verhalten der größten deutschen börsennotierten Gesellschaften.

Im Rahmen der von den beiden Universitätsprofessoren. Dr. Marc Steffen Rapp und Dr. Michael Wolff herausgegebenen Studie wurden die bis März 2012 veröffentlichten Entsprechenserklärungen der Gesellschaften detailliert analysiert und inhaltlich ausgewertet.

Zunächst untersuchten die Studienautoren das grundsätzliche Niveau der Kodexakzeptanz, um dann in einem zweiten Schritt das Entsprechensverhalten der Gesellschaften auf Kapitel-, Ziffer- bis hin zur Satzebene zu analysieren. Erstmals wurden auch vier Governance-Indizes für die vier Kernbereiche guter Governance (Transparenz, Kontrolle/Überwachung, Anreizsysteme und Vielfalt) erarbeitet.

Zusätzlich wurde der Zusammenhang zwischen Compliance-Verhalten und Unternehmensgröße bzw. Eigentümerstruktur sowie die im Rahmen der Entsprechenserklärungen gegebenen wörtlichen Erläuterungen analysiert.

Die wichtigsten Resultate der Studie

  1. Grundsätzlich akzeptieren die Unternehmen weite Teile des Kodex. Das schlägt sich in einem hohen Niveau der Entsprechensquoten nieder. Nur eine Minderheit der untersuchten Unternehmen lehnt mehr als 10 % der Kodexempfehlungen ab.
  2. Abweichungen zeigen sich vor allen in Kapitel 4 (Vorstand) und in Kapitel 5 (Aufsichtsrat). Die Studie identifizierte so genannte „kritische Ziffern“, also Empfehlungen, denen besonders häufig nicht entsprochen wird:
    • dem Selbstbehalt bei der D&O-Versicherung,
    • der Haftung von Vorstand und Aufsichtsrat, Stichwort Selbstbehalt,
    • der individualisierten Offenlegung der Vergütung,
    • der erfolgsabhängigen Aufsichtsratsvergütung sowie
    • Fragen zur Vielfalt im Aufsichtsrat.
  3. Gesellschaften in Streubesitz weisen höhere Entsprechensgrade auf – ein aus ökonomischer Sicht wünschenswerter Substitutionseffekt zwischen DCGK und externer Governance-Struktur der Unternehmen.
  4. Der Transparenz-Index erreicht für beinahe alle DAX-Gesellschaften sehr hohe Standards, im MDAX hingegen entscheidet sich rund ein Viertel der Gesellschaften, substanzielle Teile des Kodex abzulehnen. Ähnliches gilt für die Themenfelder Überwachung und Kontrolle sowieAnreizsysteme. Die höchste Heterogenität zeigt der Diversity-Index, der die Vielfalt in den Unternehmensorganen abbildet: Während die Gesellschaften im Durchschnitt 89,3 % der Indexbestandteile akzeptieren, finden sich auch Indexwerte unterhalb von 70 % bis hin zu Minimalwerten von nur 33 %.
  5. Im Ausblick geben die Gesellschaften für 18 % aller Abweichungen an, zukünftig die entsprechenden Ziffern ganz oder zumindest teilweise erfüllen zu wollen.

Die im Rahmen der Studie untersuchten Unternehmen repräsentieren etwa 90 % der Marktkapitalisierung des Prime und General Standards der Deutschen Börse.

Die Studie Kodexakzeptanz 2012: Analyse der Entsprechenserklärungen zum Deutschen Corporate Governance Kodex steht per Download kostenfrei im Internet bereit. (Quelle: HHL/ml)

10. Panel-Befragung zur Vergütung der Aufsichtsrats- und Vorstandsgehälter

Jeder zweite deutsche Aufsichtsrat fühlt sich nach Studie der BDO-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nicht angemessen bezahlt

Hamburg (ots) – Die Panel-Befragung, die erneut in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO entstanden ist, liefert ein differenziertes Stimmungsbild, so Professor Dr. Dr. Manuel R. Theisen, geschäftsführender Herausgeber von Der Aufsichtsrat. „Es ist bemerkenswert, dass sich jeder zweite Aufsichtsrat, gemessen an seiner Verantwortung und seinen Pflichten, nicht angemessen bezahlt fühlt.“ Auch die sehr intensive Befassung mit der Vergütung der Vorstände trägt zu einer Erhöhung der Komplexität der Aufsichtsratsarbeit bei. Die Vorstandsvergütungen werden zunehmend zu einem Prüfstein im Aufsichtsratsplenum.

Mit 57 Mitgliedern von Aufsichtsgremien blieb die Panel-Größe unverändert. Da mehrere Personen Mehrfachmandate in verschiedenen Unternehmen ausüben, repräsentiert die aktuelle Befragung die Erfahrung aus 232 Gesellschaften, darunter 25 Unternehmen, die im Prime-Standard gelistet sind (8 DAX, 5 MDAX, 2 SDAX, 2 TecDAX, 8 weitere).

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