Info-Radio zum Thema Flughafen und optimale Aufsichtsratsarbeit

Wirtschaft aktuell, 12.06.2012

Agentur will Aufsichtsräte schulen

Berlin. Nach der geplatzten Eröffnung des neuen Flughafens steht der Aufsichtsrat in der Kritik, dem auch Klaus Wowereit angehört. Hätte er genauer kontrollieren müssen? Die Agentur für Aufsichtsräte will derartige Pannen verhindern und schult deshalb solche Gremien. Anja Dobrodinsky berichtet.

Im Flughafen-Aufsichtsrat sitzen viele Politiker und Gewerkschafter. Von vornherein ein Fehler, findet Michael Adams, Professor für Wirtschaftsrecht an der Uni Hamburg. Sie hätten einfach zu wenig Erfahrung mit solchen Großprojekten:
Also mein Aufsichtsrat hätte so ausgesehen, dass dort mindestens sechs Ingenieure gesessen hätten, die auch Erfahrung haben, möglichst sogar mit Flughafenbau, und dann sofort sehen, hier wird etwas in der Risikodarstellung geschönt, und dann durchgreifen könnte.

Auch der Geschäftsführer der Agentur für Aufsichtsräte Eckart Reinke versteht nicht, wie der Aufsichtsrat so versagen konnte. Man habe im Prinzip nur zwei Dinge kontrollieren müssen, nämlich ob das Projekt im Budget und im Zeitplan bleibt. Doch genau das gelang nicht. Viele Aufsichtsräte, vor allem Politiker, würden nicht einmal ihre Rechte und Pflichten kennen. Dabei seien die überschaubar und ließen sich an einem Tag lernen: Aufsichtsräte müssen Vorstände besetzen und abberufen, den Jahresabschluss prüfen lassen und oft auch Risikomanagementsysteme beurteilen. Doch viele wissen nicht einmal das. Reinke hat eine Erklärung: Ein Aufsichtsratsmandat frönt immer noch der Eitelkeit, und viele fühlen sich geehrt durch diese Aufgabe und sehen es nicht als harte Arbeit.

Das sieht auch Wirtschaftsrechtler Michael Adams so. Aufsichtsräte seien immer noch Beuteposten, sagt er. Weil die Aufgaben unterschätzt werden, nehmen viele Räte neben ihrem Hauptberuf gleich ein ganzes Dutzend Mandate an. Dabei sind per Gesetz nur zehn erlaubt, in vielen Arbeitsverträgen sogar nur zwei oder drei. Neben fachlicher Kompetenz und Zeit fehle es auch oft an sozialer Kompetenz. Ob das bei BER auch so war, kann Eckart Reinke nicht sagen: Ich weiß nur, dass Aufsichtsräte, die zu harmonisch zusammengesetzt sind, oft eher zu Fehlentscheidungen neigen, weil das kritische Hinterfragen nicht kommt. Genauso wenn einer von seiner Hierarchie her einen Aufsichtsrat dominiert, werden auch kritische Fragen unterdrückt.

Dabei soll ein Aufsichtsratsvorsitzender eigentlich ein Moderator sein. Dass viele Aufsichtsräte ihre Arbeit unterschätzen oder nicht ernst genug nehmen, kann sehr gefährlich werden: Jeder, der nicht gewillt ist, sich professionell vorzubereiten und auch seine Zeit dafür ausreichend zu geben, sollte sich fernhalten, denn im Regelfall haftet man mit seinem kompletten Privatvermögen für Fehlentscheidungen.

Das gelte auch für den Flughafen-Aufsichtsrat. Die Agentur für Aufsichtsräte will die Kompetenz der Kontrollinstanzen stärken. Deshalb veranstaltet sie seit 2002 jedes Jahr ein Dutzend Seminare mit einzelnen Aufsichtsratsmitgliedern oder ganzen Gremien. Seit horrende Managergehälter in der Kritik stehen, wird hier auch oft über die Vergütung von Vorständen und Aufsichtsräten gesprochen. Die Agentur hilft Unternehmen außerdem bei der Suche nach geeigneten Personen für den Aufsichtsrat. Dazu schaut sie sich die Gremien an, klärt welche Kompetenzen noch fehlen und vermittelt dann passende Kandidaten.

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