Wie ist das denn nun mit Frauen in Aufsichtsräten?

Fragen zu qualitativen Interviews zu einer Masterarbeit

Hier werden im Rahmen einer Masterarbeit Fragen zur Besetzung von Führungspositionen mit Frauen gestellt. Unsere Antwort steht in kursiv. (Eckart Reinke)

„Wider den leeren Stuhl“ Ideen zur Entwicklung für die gleichgeschlechtliche Besetzung von Führungsteams.

Die Fragen sollen die Herausforderung der Geschlechterfrage bei der Besetzung von Führungsteams in Unternehmen, das Machbares und das nicht Machbare, erfassen. Dabei soll die Perspektive von Beratenden und Unternehmen mit jeweils individuellen Fragen erfasst werden.

Die gesamte Fragestellung hat schon einen Bias. Es wird davon ausgegangen, dass es wirklich pauschale Unterschiede (Diversity) zwischen Männern und Frauen gäbe. Das aber zweifele nicht nur ich an. Studien der Soziologie haben gezeigt, dass die Varianz innerhalb einer Geschlechtergruppe größer ist, als zwischen den Geschlechtern. Das heißt im Klartext, dass der Unterschied zwischen „qualifizierten“ und „unqualifizierten“ Frauen (das gleiche gilt für Männer) größer ist als zwischen qualifizierten Männern und qualifizierten Frauen.

Frauen und Männer sind also gleicher als durch die unten genannten Fragen suggeriert wird. Wegen der Gleichheit gehören Frauen auch genauso in Führungspositionen und Aufsichtsräte, wie die Männer. Das ist zum einen eine Frage der Gerechtigkeit und zum anderen eine Frage der unternehmerischen und volkswirtschaftlichen Intelligenz, immer die Besten in die Führung zu bringen, egal ob Mann oder Frau.

Ich fokussiere bei der Beantwortung auf die Besetzung von Aufsichtsräten, da das unser Kerngebiet ist.

Fragen an Berater und Personalvermittler:

  1. Suchen Unternehmen explizit Frauen? Nein, es werden qualifizierte Männer und Frauen gleichermaßen gesucht. Wenn ja: Warum suchen Unternehmen explizit Frauen? Ist es nur die gesetzliche Regelung? Spielt die Aussicht auf Unternehmens-Erfolg eine Rolle?
  2. Welche Anforderungen stellen Unternehmen an Frauen? Die gleichen, wie an die Männer. Ein Unterschied ist nicht festzustellen..
  3. Werden bei Frauen andere Maßstäbe angesetzt als bei Männern? Grundsätzlich nicht, es kann im Einzelfall aber vorkommen. Wenn ja, welche? Es kann vereinzelt vorkommen, dass Frauen vermehrt nach Erfahrung beurteilt werden und weniger nach Potenzial.
  4. Was macht ein Unternehmen für Frauen attraktiv? Wenn eine Frau (die sich für eine bedingungslose Karriere entschieden hat) die gleichen Chancen bekommt, wie ein Mann (der sich für eine bedingungslose Karriere entschieden hat). Spielt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Rolle? Nein, das ist unbedeutend für Aufsichtsratsmandate. Im Durchschnittsalter der Aufsichtsräte sind die Kinder meist schon erwachsen und aus dem Haus. Was überzeugt Frauen noch? Ohne Antwort für Aufsichtsratsmandate.
  5. Sehen Sie Unterschiede in der Führung von Frauen und Männern? Frauen führen wie Männer, Männer führen wie Frauen: Es gibt empathische, verklemmte, schüchterne, selbstverliebte, psychopathische, brutale, zu nette und unverständliche Führungstypen, bei Frauen und Männern gleichermaßen. Sind gemischte Teams besser? Das ist nur im Einzelfall zu beurteilen. Ich persönlich finde es für meine Aufgaben bereichernd.
  6. Welche Motivation treibt Frauen in Führungspositionen – Welche Motivation treibt Männer. Erkennen Sie Unterschiede? Nein, es sind überwiegend die gleichen Treiber, die für jede Person individuell zusammengesetzt sind.
  7. Was sind die größten Hürden für die Frauen auf dem Weg nach oben? Die gleichen, wie bei den Männern: Es wird nicht verstanden und durchstiegen, wie die Karrierepfade aussehen.
  8. Was sind die größten Hürden in den und für die Unternehmen? (Kultur/Kommunikation?) Es ist das Nicht-Verstehen der Systeme von Karrieren seitens derjenigen, die Karriere machen wollen. Die Regeln sind Jahrhunderte alt (siehe Macciavelli, Sunzi, Clausewitz und andere)und werden (von vielen Männern und Frauen gleichermaßen) missachtet.
  9. Welche begleitenden Maßnahmen bieten Unternehmen an, um Frauen zu etablieren? Seit 20 Jahren vielfältigste Maßnahmen (die aber alle wenig fruchten), darüber gibt es unzählige Literatur. Passiert mehr als Begleitmaßnahmen für die Frauen? Ja, die Quote. Ein Instrument, das greifen wird. Ist das Thema Change ein Thema bei der Entwicklung von Frauen? Mir nicht bekannt. Werden dafür Ressourcen zur Verfügung gestellt? Mir nicht bekannt.
  10. Wie reagieren Männer auf Maßnahmen für Frauen in Führungspositionen? Von Verständnis bis Unverständnis. Eine pauschale Aussage lässt sich hier nicht treffen. In jedem Fall ist die Anzahl der Männer, die an die gläserne Decke stoßen und nicht daran vorbeikommen (also das Karriereende einläuten) größer, als die Anzahl der Frauen, die daran scheitern.
  11. Was sollten Unternehmen und Organisationen tun, um mehr Frauen für Führungspositionen zu bekommen? Nur eine vorübergehende Einführung Quote wird da helfen. Woran scheitern bisherige Maßnahmen? Das ist multifaktoriell zusammengesetzt und komplex. Es gibt keine einzelnen Gründe, es ist eine unglückliche Mixtur von Gründen, die ineinandergreifen.
  12. Welche Ratschläge geben Sie den Frauen mit? Die gleichen, wie den Männern: Das System der Karriere muss man erst einmal verstehen und dann auch bedingungslos Karriere umsetzten, wenn man es unbedingt will. Was raten Sie den Unternehmen? Quoten einführen.
  13. Welche Erfahrungen machen Sie im Rekrutierungsprozess? Exzellente Frauen und exzellente Männer sind gleichermaßen gut vermittelbar. Durchschnittliche Männer und durchschnittliche Frauen sind nicht vermittelbar. Nur 5% aller Kandidaten bringen die Exzellenz mit, die man als Vermittler sucht, 95% bringen die Exzellenz leider nicht mit. Was sind Erfolgsfaktoren? Wer nicht schon mindestens einen herausragenden öffentlich wahrgenommenen Erfolg nachweisen kann, soll sich vom Aufsichtsrat fernhalten. An welchen Punkten scheitert eine Vermittlung? Zu viel Normalität und zu wenig (öffentlich wahrgenommene) exzellente Leistung der Frauen und Männer, die sich für einen Aufsichtsrat interessieren.
  14. Glauben Sie, dass genügend qualifizierte Frauen da sein werden? In jedem Fall. 50% aller Aufsichtsräte könnten aus dem Stegreif heute mit Frauen besetzt werden. Es gibt keinen Mangel. Die absolute Anzahl der 5% Top-Frauen ist genauso groß, wie die absolute Anzahl an 5% Top-Männer.
  15. Glauben Sie, dass die bisherige gesetzliche Regelung eine Besserung bringen wird? In jedem Fall.

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